Kult am Pult - Nr. 3 / August 2007

10 Jahre Bindewerk Arne Katzbichler
Auf dem Weg zur Marke

Seit 10 Jahren gibt es die trendigen Bücher und Alben aus dem Hause Bindewerk. Bereits bei der ersten Präsenz als Aussteller auf der Paperworld 1998 trafen die Produkte genau den Geschmack des (Fach-) Publikums. Daran hat sich bis heute nichts geändert – außer, dass Sortiment und technische Möglichkeiten von Bindewerk deutlich gewachsen sind. Neben gebundenen Büchern sind heute auch Kalender und Fotoalben im Angebot, Geschenkpapiere und Accessoires.


„Total entspannt“ blickt Arne Katzbichler mit Ehefrau Inga Zempel in die unternehmerische Zukunft.

Egal ob Arne Katzbichler das hochwertige Produkt-Sortiment von Benno Lörner Lederwaren aus Würzburg übernimmt oder sich auf der technischen Seite verstärkt durch die Maschinen einer ehemaligen Industrie-Buchbinderei, er bleibt immer seiner Liebe zum fadengebundenen Buch treu. Auch wenn der hochgewachsene jugendlich wirkende Unternehmer durch seinen Vater „vorbelastet“ ist – dieser war Musiker und Antiquar – so verliert er doch sein Ziel nicht aus den Augen: Nämlich handwerklich anspruchsvolle (Blanko-) Bücher zu produzieren, denen weder der tägliche Gebrauch noch unsanfte Behandlung etwas anhaben können. Bestes „made in Germany“ eben, das in vielen Fällen sogar das Prädkat „handmade in Germany“ tragen dürfte. Denn der Anteil von Handarbeit ist hoch bei den Bindewerk-Büchern. Schon ein „normales“ Produkt wie die äußerst beliebten Metallkanten-Bücher kommt leicht auf 14 Arbeitsschritte. Wenn aufwendige Einbände aus Leder gefragt sind, können leicht nochmals fünf weitere Produktionsgänge hinzu kommen.

Zum Glück für den Kunden gilt aber nicht der Trugschluss, Handarbeit = teuer. Gerade bei Auflagen wie Bindewerk sie produziert, ist Handarbeit günstiger als modernste Maschinen. Neben der Liebe zum Produkt ist auch das ein Grund, warum die eigentlich aufwendige Fadenheftung auschließlich in der eigenen Werkstatt hergestellt wird. „Sie ist zum einen deutlich haltbarer als Klebebindung, zum anderen liegen die Bücher planer auf und lassen sich somit leichter benutzen“ erklärt Buchbindermeister Katzbichler. Seinen Beruf hat Arne Katzbichler in München von der Pike auf gelernt. Wenig später hat er eine kleine Handbuchbinderei im Stadtteil Haidhausen übernommen, zu der auch heute noch ein Ladengeschäft und eine komplette Werkstatt gehörten. Zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt er hier, die Sonderanfertigungen für das anspruchsvolle Münchner Publikum erledigen, für Agenturen Kleinauflagen fertigen und nebenbei noch das Bindewerk-Sortiment verkaufen.
Die eigentliche Produktion mit insgesamt 600 qm ist mittlerweile nach Prien am Chiemsee umgezogen. Hier, wo andere Urlaub machen, holt sich der bekennende „Landmensch“ Katzbichler seine Inspirationen. Und die fallen offensichtlich alles andere als provinziell aus. Beinahe im Schatten der Alpen und nicht weit vom Chiemsee entfernt, entstehen nun die Bücher, Kalender und Fotoalben, die auch in Ländern wie Österreich, Frankreich, Spanien, den USA oder Japan guten Absatz finden.


Der Shop in München-Haidhausen ist Anlaufstelle für Agenturen, fertigt Sonderaufträge und verkauft das umfangreiche Sortiment.

In deutschen Landen sorgen vier Handelsvertreter für entsprechenden Absatz im PBS-Bereich. Mit den neuen Serien Flowerpower und Jackie sind nun auch Produkte im Angebot, die nicht unbedingt in die Kategorie „minimalistisch“ fallen, aber das Retro-Design bis hin zu den bewußt imitierten Stockflecken kommt richtig gut an. So gelingt die Erweiterung des Sortiments nicht nur optisch, sondern auch mit neuen Warengruppen wie passenden Geschenkpapieren und Kartonagen. Bindewerk hat inzwischen sogar für Designer eine solche Bedeutung gewonnen, dass ungewöhnliche Lesezeichen vom Designbüro Adam & Werbarth ebenso im Katalog zu finden sind wie Schlüsselanhänger.
Mit Modematerialien wie Filz als Einband hatte Bindwerk ebenso rechtzeitig den richtigen Riecher wie bei der aktuellen Dekor-Serie. Deren Ausgangsstoff stammt eigentlich aus der Möbelindustrie und imitiert täuschend echt Werkstoffe wie Apfelholz, Parkett oder Granit. Auch diese Serie schützt ihren Einband und dadurch ihren Inhalt mit der stabilen Metallkante, ein schwarzer Gummi verschließt Buch oder Kalender im unbenutzten Zustand. Die Dekor-Serie ist die logische Weiterentwickung der Bindewerk-Klassiker wie Purist oder Compagnion. Während Purist in minimalistischer Schwarzpappe mit farbigem Leinenrücken und passendem Gummiband gewandet ist, besteht bei den Metallkantenbüchern die Auswahl zwischen fünf unterschiedlichen Metallic-Leinen, zahlreichen Lederpapieren und dem Kunstleder Skai in zehn Farben. Dann finden sich bis zu 144 Blatt edel-chamoisfarbenes Papier zwischen den beiden Buchdeckeln. So sorgen beim Benutzer äußere Vielfalt und innere Werte für ebenso viel Freude wie die bereits erwähnte Verarbeitungsqualität. Auch wenn sich mit Blick auf Billigangebote die Produktvorteile von Bindewerk nicht sofort erschließen, spätestens bei der täglichen Benutzung werden sie spürbar – immer wieder.

Ob Tagebücher, Fotoalben oder Blanko-Bücher in vielen Varianten, Adressbücher, (Schreib-) Hefte oder Leporellos – auch für Bindewerk-Fans gibt es im aktuellen Sortiment viel zu entdecken. Arne Katzbichler und sein Team sind die Gewähr dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt. Weder die Alpen noch der Chiemsee haben bisher seine Aufmerksamkeit vom Buchbinden ablenken können – und das wird wohl auch so bleiben!


Auswahl aus dem Portfolio


Der Spaß am gestalterischen Arbeiten und hochwertiger Handarbeit ist den Mitarbeitern anzusehen.